Ist § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG eine Haltefrist?

Nein, ob man die Anteile an der Gesellschaft mehr oder weniger als fünf Jahre gehalten hat, spielt hier keinerlei Rolle. Entscheidend ist, nur dass man innerhalb irgendeines Zeitpunkts in den fünf Jahren vor Verkauf wenigstens 1 % der Anteile an der Firma besessen hat.

Wenn man also mehr als 1 % an einer Firma hält, dann ist der nächste Verkauf sicher steuerpflichtig. Dabei ist es egal, wann man die Anteile erworben hat, ob man mehr als 1 % verkauft oder danach noch mehr als 1 % hält – denn man hat ja irgendwann während des vorherigen Fünfjahreszeitraums (und zwar bis zum Tag des Verkaufs) mehr als 1 % gehalten und fällt damit in die Regelung des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG. Somit muss man fiktive Gewerbebetriebseinkünfte ausweisen.

Was sind „fiktive Gewerbebetriebseinkünfte“?

Als fiktive Gewerbebetriebseinkünfte gilt der Gewinn aus bestimmten Anteilsverkäufen gemäß § 17 EStG.

Zunächst einmal gilt dieser Paragraph nur für tatsächliches Privatvermögen. Hält jemand solche Beteiligungen als Betriebsvermögen (weil er beispielsweise einerseits eine Druckerei hat, andererseits auch gleich an einer Papiermühle beteiligt ist), so gehören diese Gewinne gemäß § 20 Abs. 8 EStG zu den Gewerbeeinahmen.

Zudem sind das nur dann fiktive Gewerbebetriebseinkünfte, wenn irgendwann innerhalb der letzten fünf Jahre eine Beteiligung von mind. 1 % an der Firma bestand.

Wie wird es steuerlich behandelt, wenn ich einen Anteil verkaufe, in dem bereits ein Gewinnanteil steckt?

Zunächst einmal eine kurze Klarstellung, worum es hier eigentlich geht: Ein Unternehmen kann seinen Gewinn an die Anteilseigner ausschütten. Das ist dann Kapitalertrag und wird mit 25 % Kapitalertragsteuer belegt, eine Einkommenversteuerung findet nicht statt. Das Unternehmen kann aber auch auf die Ausschüttung verzichten, den Gewinn im Unternehmen behalten und ggf. weiter investieren. Dann sehen die Gesellschafter nichts von dem Geld, aber ihre Anteile werden mehr wert.

Verkauft man nun im letzteren Fall die Anteile, erzielt man einen höheren Erlös, da man den aufgelaufenen Gewinn, der nun Teil des Unternehmens ist, quasi „mitverkauft“. Darauf muss man aber dann Einkommensteuer zahlen, unter Umständen deutlich mehr als 25 %.

Weil dies möglicherweise zu ungerechten Ergebnissen führen würde, wird hier das sog. Teileinkünfteverfahren angewandt: Gemäß § 3 Nr. 40 Satz 1 c) EStG bleiben 40 % der Verkaufswerts steuerfrei; gleichzeitig kann man natürlich auch nur 40 % des damaligen Einkaufswerts abziehen (§ 3c Abs. 1 Satz 1). Im Endeffekt tauchen also lediglich 60 % des tatsächlichen Gewinns in der Steuer auf.