Wann wird der Gewinn steuerlich realisiert?

Ein Betriebsgewinn aus einem einzelnen Geschäft realisiert sich erst im Moment der Leistungserbringung. Der Einkauf einer Ware ist wirtschaftlich neutral, da nur Geld gegen eine Sache getauscht wird – die Sache hat damit bilanziell den gleichen Wert wie das Geld. Erst, wenn die Sache wieder in Geld getauscht (sprich: mit Gewinn an den Kunden verkauft) wird, passiert in der Bilanz etwas Entscheidendes. Nun wird aus der Ware mit einem bestimmten Wert eine Kaufpreisforderung (oder eine Geldsumme) mit einem höheren Wert.

Wie wirkt sich Disagio steuerlich aus?

Bei einem Disagio (Damnum) wird ein Teil der Kreditsumme nicht ausbezahlt, sondern als Vorauszahlung auf die kommenden Zinsen einbehalten. Das Disagio wird dabei nicht als Ausgabe im Jahr der Auszahlung angesetzt, sondern auf die gesamte Laufzeit verteilt. Um dies in der Bilanz und beim steuerlich relevanten Gewinn auszudrücken, werden sog. „aktive Rechnungsabgrenzungsposten“ (aRAP) gebildet.

Was ist eine stille Last?

Als stille Last bezeichnet man es, wenn ein Vermögensposten tatsächlich weniger wert ist als sein Buchwert. Wird ein Firmenauto bspw. über sechs Jahre abgeschrieben, ist sein Wert nach drei Jahren noch 50 % des Anschaffungswerts. Wenn das Auto aber mittlerweile sehr ramponiert ist, kann es auch einen deutlich niedrigeren Zeitwert haben. Diese Wertdifferenz taucht zunächst nicht in den Büchern auf, sie stellt daher eine „stille Last“ dar.

Das Gegenteil ist die stille Reserve.

Was ist eine stille Reserve?

Steigt der Wert eines Grundstücks über die Jahre, so handelt es sich damit noch nicht um einen Gewinn im steuerrechtlichen Sinne Vielmehr ist dies lediglich eine sog. „stille Reserve“, die man durch Verkauf realisieren kann. Erst, wenn dies aber wirklich geschehen ist, kann der Gewinn besteuert werden.

Bei der Überschussrechnung gilt dies allerdings nicht, hier muss dieser Vermögenszuwachs grundsätzlich nicht versteuert werden. Relevante Ausnahmen gibt es nur bei Immobilien, die innerhalb von zehn Jahren wieder verkauft werden, sowie bei Wertpapieren.

Was sind die Unterschiede zwischen Betriebsvermögensvergleich und Einnahmenüberschussrechnung?

Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG, „Bilanzierung“):

  • das Betriebsvermögen erscheint in der Bilanz, einschließlich eventueller Bestandsänderungen
  • Verkäufe und Einkäufe auf Ziel werden zum Zeitpunkt der Lieferung erfasst, der Kaufpreis wird zunächst als Forderung bzw. offene Verbindlichkeit ausgewiesen
  • es werden Rechnungsabgrenzungsposten und Rückstellungen gebildet

Einnahmenüberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG):

  • erfasst wird das tatsächliche Fließen von Geld, also Betriebseinzahlungen und -auszahlungen (Ausnahme: AfA und Privatanteile), und zwar zum Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung
  • das Betriebsvermögen tritt als solches nicht in Erscheinung, da es eben weder Gewinn noch Verlust bedeutet und nicht bilanziert wird; Bestandsveränderungen sind damit irrelevant
  • Rechnungsabgrenzungsposten und Rückstellungen werden nicht gebildet

Wie werden Wertverluste von Betriebsvermögen bilanziell und steuerlich behandelt?

Beim Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG sind solche Wertverluste grundsätzlich in der Bilanz auszuweisen. Bei der Einnahmenüberschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG gilt dies aber nicht; will ein solche Unternehmer die Verluste geltend machen, kann er kurzfristig auf § 4 Abs. 1 wechseln. Bei der Berechnung der Überschusseinkünfte nach § 8 gibt es kein Betriebsvermögen, sodass sich die Frage nicht stellt.

Was passiert mit einer Kaufpreisforderung, die nicht eintreibbar ist?

Grundsätzlich tritt bei einem Verkauf zunächst die Kaufpreisforderung an die Stelle der verkauften Sache, mit Bezahlung tritt wiederum ein Geldbestand an die Stelle der Forderung. Ist der Käufer zahlungsunfähig, bleibt die Forderung zunächst bestehen, bilanziell stellt dies an sich noch keinen Verlust dar.

Ist allerdings klar, dass man diese Forderung nie wird realisieren können, muss man irgendwann ihre Wertlosigkeit feststellen. Der – auch in der Umgangssprache geläufige – Fachbegriff ist „abschreiben“. Dadurch verringert sich das Betriebsvermögen um denselben Betrag, man hat also einen echten Verlust gemacht.