Was sind Anschaffungskosten?

Zu den Anschaffungskosten gehören dem unmittelbaren Kauf- bzw. Herstellungspreis auch die Nebenkosten der Anschaffung wie Vermittlungsprovisionen und Maklergebühren, Grunderwerbssteuer, Versandkosten sowie ggf. Schulungsgebühren.

Was sind fortgeführte Anschaffungskosten?

Wird eine gebrauchte Sache in einen Gewerbebetrieb eingelegt, so geschieht das unter Zugrundelegung der fortgeführten Anschaffungskosten. Die genaue Prüfung gibt § 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG vor:

  1. Zunächst ist der Teilwert im Zeitpunkt der Zuführung einzusetzen, Satz 1, erster Halbsatz.
  2. Das Maximum sind jedoch die Anschaffungskosten, sofern die Sache innerhalb der letzten drei Jahre angeschafft wurde, Satz 1, zweiter Halbsatz.
  3. Diese Anschaffungskosten sind aber weiter entsprechend der AfA-Berechnung zu verringern, Satz 2.

Beispiel: Der Unternehmer U schafft im Juni 2011 ein Auto für 28.000 Euro privat an. Dieses hat eine voraussichtliche Nutzungsdauer von sieben Jahren (AfA: 28.000/7 = 4000 Euro). Drei Jahre später, im Juni 2014, ist es aufgrund guter Pflege immer noch 22.000 Euro wert; hier bringt er es in seinen Betrieb ein.

  1. Teilwert: 22.000 Euro
  2. Anschaffungskosten: 28.000 Euro
  3. verminderte Anschaffungskosten: 28.000 – (3×4000) = 16.000 Euro

Die verminderten Anschaffungskosten deckeln folglich den einzusetzenden Teilwert auf diese 16.000 Euro.

Was bedeutet „pro rata temporis“?

Dabei handelt es sich um eine Modalität der Absetzungen für Abnutzungen (AfA). Diese verteilt Anschaffungskosten für langlebige Güter grundsätzlich auf deren gesamte durchschnittliche Lebensdauer. Die Rechnung „pro rata temporis“ bedeutet im Endeffekt, dass für jeden Monat, in dem das Wirtschaftsgut wenigstens einen Tag im Unternehmen war, die AfA angesetzt wird. (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG) Dadurch wird die Abschreibung auf ganze Monate erstreckt, man muss also nicht auch noch mit einzelnen Tagen rechnen.

Was sind anschaffungsnahe Herstellungskosten?

Normalerweise kann man die Renovierungs- und Modernisierungskosten nach dem Erwerb eines Gebäudes sofort als Werbungskosten abziehen, man bekommt also unmittelbar etwas von der Steuer zurück. Dies gilt aber nicht, wenn diese Kosten anschaffungsnahe Herstellungskosten darstellen.

Die anschaffungsnahen Herstellungskosten werden in § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG definiert:

Zu den Herstellungskosten eines Gebäudes gehören auch Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden, wenn die Aufwendungen ohne die Umsatzsteuer 15 Prozent der Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen (anschaffungsnahe Herstellungskosten).

Sind die Kosten also sehr hoch und fallen sie unmittelbar nach dem Kauf an, so wird praktisch vermutet, dass es sich um einen versteckten Kaufpreis handelt: Das Haus war eben so marode, dass man gleich einiges reinstecken musste. Daher werden die Kosten auch als Anschaffungskosten behandelt und können nur über die Jahre im Wege der Absetzungen für Abnutzungen (AfA) abgeschrieben werden.