Was bedeutet „pro rata temporis“?

Dabei handelt es sich um eine Modalität der Absetzungen für Abnutzungen (AfA). Diese verteilt Anschaffungskosten für langlebige Güter grundsätzlich auf deren gesamte durchschnittliche Lebensdauer. Die Rechnung „pro rata temporis“ bedeutet im Endeffekt, dass für jeden Monat, in dem das Wirtschaftsgut wenigstens einen Tag im Unternehmen war, die AfA angesetzt wird. (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG) Dadurch wird die Abschreibung auf ganze Monate erstreckt, man muss also nicht auch noch mit einzelnen Tagen rechnen.

Was sind anschaffungsnahe Herstellungskosten?

Normalerweise kann man die Renovierungs- und Modernisierungskosten nach dem Erwerb eines Gebäudes sofort als Werbungskosten abziehen, man bekommt also unmittelbar etwas von der Steuer zurück. Dies gilt aber nicht, wenn diese Kosten anschaffungsnahe Herstellungskosten darstellen.

Die anschaffungsnahen Herstellungskosten werden in § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG definiert:

Zu den Herstellungskosten eines Gebäudes gehören auch Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden, wenn die Aufwendungen ohne die Umsatzsteuer 15 Prozent der Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen (anschaffungsnahe Herstellungskosten).

Sind die Kosten also sehr hoch und fallen sie unmittelbar nach dem Kauf an, so wird praktisch vermutet, dass es sich um einen versteckten Kaufpreis handelt: Das Haus war eben so marode, dass man gleich einiges reinstecken musste. Daher werden die Kosten auch als Anschaffungskosten behandelt und können nur über die Jahre im Wege der Absetzungen für Abnutzungen (AfA) abgeschrieben werden.

Was sind Absetzungen für Abnutzungen (AfA)?

Dabei handelt es sich um fiktive Verluste, die dadurch entstehen, dass man etwas besitzt, das mit der Zeit an Wert verliert. Das klassische Beispiel dafür sind Autos, deren Wertverlust nicht einmal auf Abnutzungen, sondern auf das bloße Alter zurückzuführen ist.

Der Wert der Sache wird dann nach festen Tabellen Jahr für Jahr (linear oder degressiv) gemindert. Den jeweiligen Minderungsbetrag kann man also Verlust absetzen, er verringert also das zu versteuernde Einkommen.

§ 7 Abs. 1 Satz 1 EStG drückt das so aus:
Bei Wirtschaftsgütern, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen zur Erzielung von Einkünften sich erfahrungsgemäß auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstreckt, ist jeweils für ein Jahr der Teil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzusetzen, der bei gleichmäßiger Verteilung dieser Kosten auf die Gesamtdauer der Verwendung oder Nutzung auf ein Jahr entfällt (Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen).