Können Reisekosten auch dann anteilig abgesetzt werden, wenn der berufliche Anteil minimal ist?

Nein, eine mindestens zehnprozentige berufliche Veranlassung ist notwendig, damit ein entsprechender Anteil an den Anreisekosten abgesetzt werden kann. Wer also ein eintägiges Seminar nutzt, um insgesamt drei Wochen Urlaub zu machen, kann die Flugkosten überhaupt nicht (auch nicht in Höhe von 1/21) absetzen. Denn die berufliche Veranlassung an der gesamten Reise beträgt nur knapp 5 % und eben keine 10 %.

Die unmittelbar mit dem Seminar verbundenen Ausgaben (Übernachtung für diesen einen Tag, Teilnahmegebühren etc.) stellen aber Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten dar.

Umgekehrt kann die Reise auch komplett betrieblich steuerlich berücksichtigt werden, wenn der private Anteil unter 10 % liegt.

Ist es für die steuerliche Behandlung relevant, ob betriebliche Ausgaben notwendig oder sinnvoll sind?

Nein, wenn es sich tatsächlich um Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten, weil die Ausgaben beruflich motiviert sind, dann sind sie auch abzugsfähig. Im Bezug auf seinen Beruf muss niemand ökonomisch sinnvoll handeln.

Es gibt einige wenige Ausnahmen, in denen eine Angemessenheitsprüfung stattfindet, z.B. bei Bewirtungskosten (§ 4 Abs. 5 Nr. 2) und doppelter Haushaltsführung (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG).

Sind Geldstrafen und Bußgelder steuerlich abzugsfähig?

Nein, und zwar unabhängig davon, ob es sich um beruflich oder privat „motivierte“ Straftaten bzw. Ordnungswidrigkeiten handelt. Dies ergibt sich aus § 12 Nr. 4 bzw. § 4 Abs. 5 Nr. 8 EStG.

Anwalts- und Verfahrenskosten sind bei Taten im Zusammenhang mit dem beruflichen Bereich allerdings als Betriebsausgaben/Werbungskosten abziehbar.

Welche Steuervorteile können Behinderte in Anspruch nehmen?

wheelchair-749985_640Im deutschen Steuerrecht steht das Leistungsfähigkeitsprinzip ganz im Vordergrund. Die Steuer soll sich danach richten, wie leistungsfähig der Steuerpflichtige ist. Wer mehr Einkommen zur Verfügung hat, muss demnach auch mehr Steuer zahlen.

Nur ist die Frage, wie viel man zur Verfügung hat, eben nicht mit einem einfachen Blick auf den Gehaltszettel getan. Auch Ausgaben, die mit dem Geldverdienen im Zusammenhang stehen (z.B. „Werbungskosten“) sowie außergewöhnliche finanzielle Belastungen müssen berücksichtigt werden.

Finanzielle Nachteile aus einer Behinderung mindern die Steuer

Hierzu gehören auch Kosten aufgrund einer festgestellten Behinderung. Die Behinderung wird in Graden zwischen 20 und 100, daher oft auch als Prozente bezeichnet, festgestellt. Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 gilt man als schwerbehindert. Ohne Bedeutung ist dabei, ob die Behinderung körperlich, geistig oder psychisch ist. Wichtig ist nur, dass die Behinderung nicht nur kurzfristig ist, sondern mindestens sechs Monate anhält. Ab einem GdB von 30 ist eine Gleichstellung mit Schwerbehinderten möglich, sofern diese Gleichstellung notwendig ist, um die Chancen des Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Welche Steuervorteile können Behinderte in Anspruch nehmen? weiterlesen

Was ist der Unterschied zwischen der Gewinneinkunftsrechnung und der Überschussrechnung?

Die Berechnung der Gewinneinkünfte erfolgt bei Einkünften aus Land- und Fortwirtschaft, aus Gewerbebetrieb und aus selbstständiger Tätigkeit. Ein wesentliches Merkmal dieser Rechenweise ist, dass Anschaffungen zum Betriebsvermögen werden und ihre Wertentwicklung steuerlich von Bedeutung ist.

Die relevanten Vorschriften des Einkommensteuergesetzes sind:

  • Gewinn = Betriebsvermögensmehrung (§ 4, Detailregelungen §§ 4a bis 4h, 13a)
  • Geltung der handelsrechtlichen Buchführung (§ 5, Detailregelungen §§ 5a, 5b)
  • Bewertungsregelungen (§ 6, Detailregelungen §§ 6a bis 6d)
  • AfA (§ 7, Detailregelungen §§ 7a bis 7i)

Dabei lässt das Gesetz zwei Arten der Gewinnermittlung zu, nämlich den Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG, kurz BVV, auch als Bilanzierung bezeichnet) und die einfachere Einnahmenüberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG), die aber nicht allen Gewerbetreibenden offensteht.

Überschusseinkünfte werden dagegen bei nichtselbstständiger Arbeit (also als Arbeitnehmer), aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und Verpachtung sowie bei sonstigen Einkünften berechnet. Hier bleiben alle Anschaffungen im Privatvermögen.

Die relevanten Vorschriften des Einkommensteuergesetzes sind:

  • Einnahmen (§ 8)
  • Werbungskosten (§§ 9, 9a)

Was ist der Sparer-Pauschbetrag?

Gemäß § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG können für Kapitaleinkünfte pauschal 801 Euro Werbungskosten abgezogen werden. Die tatsächlichen Kosten (z.B. für Depotkosten, Kontoführung oder auch Zinszahlungen) können aber nicht angesetzt werden. Diese Regelung wiederspricht eigentlich dem objektiven Nettoprinzip, da es zwar Gewinne, nicht aber Ausgaben berücksichtigt. Dies wird aber damit begründet, dass ohnehin ein niedriger Steuersatz (25 % Kapitalertragsteuer mit Abschlagwirkung) zur Anwendung kommt. Zudem sind die 801 Euro ziemlich hoch angesetzt und subventionieren so den kleinen Sparer, der regelmäßig deutlich geringere tatsächliche Kosten hat.

Muss ich bei meiner Monatskarte etwas für die private Nutzung abziehen?

Nein, der volle Preis für die Monatskarte kann abgesetzt werden. Soweit die Karte daneben auch für private Fahrten genutzt werden kann, ist dies von untergeordneter Bedeutung, zumal es die Kosten nicht erhöht.

Etwas anderes gilt natürlich bei einer „gemischten Monatskarte“, wenn man also einen größeren Bereich oder eine weitere Fahrstrecke abdeckt als dies für den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz notwendig wäre.

Welche Kosten können als „Pendlerpauschale“ abgesetzt werden?

Die Entfernungspauschale für Arbeitnehmer nach § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG beträgt grundsätzlich 30 Cent pro Entfernungskilometer und Arbeitstag, also 15 Cent pro tatsächlich gefahrenem Kilometer. Dies gilt unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel, allerdings können bei öffentlichen Verkehrsmitteln die tatsächlichen Kosten der Fahrkarten (falls sie höher sind) angesetzt werden, § 9 Abs. 2 Satz 2.

Im Übrigen gibt es für alle Werbungskosten (also Fahrtkosten, Kauf von Arbeitsmitteln etc.) einen Gesamt-Pauschbetrag von 1000 Euro. Bleiben die tatsächlich ansetzbaren Werbekosten unter diesem Betrag, kann man ohne Nachweis einfach die 1000 Euro ansetzen (§ 9a Satz 1).

Man hat also die Wahl zwischen:

  • pauschal 30 Cent pro Entfernungskilometer und Arbeitstag
  • tatsächliche Kosten (bei ÖPNV)
  • pauschal 1000 Euro für alle Werbungskosten

Was gehört alles zur Arbeitskleidung?

Die Finanzbehörden und -gerichte sind relativ zurückhaltend bei der Aberkennung von Arbeitskleidung als Werbungskosten. Grundsätzlich ist es so, dass „bürgerliche Kleidung“ keinesfalls Arbeitskleidung sein kann, auch wenn sie bei der Arbeit getragen wird. Eine Faustregel ist, dass Arbeitskleidung nur diejenige Kleidung ist, an der man den Beruf sofort erkennt – der Kittel der Krankenschwester, die Robe des Rechtsanwalts, der Blaumann des Handwerkers etc. Kleidung, die über den beruflichen Zusammenhang hinaus „gesellschaftsfähig“ ist, wird also ausgenommen.

Wie kann ein Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt werden?

Gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG ist ein Arbeitszimmer grundsätzlich nicht als Werbungskosten steuerlich zu berücksichtigen. Eine Ausnahme besteht lediglich, wenn der Arbeitnehmer sonst keinen anderen Arbeitsplatz (also in der Regel im Bürogebäude des Arbeitnehmers) hat. Aber auch dann können nur 1250 Euro pro Jahr abgesetzt werden – für gute 100 Euro pro Monat sind als Miete sicher für jedes noch so kleine Zimmer ziemlich bescheiden.

Ist ein beruflich genutztes Zimmer jedoch kein Arbeitszimmer, sondern eine andere Aufwendung, so sind die Kosten ohne Beschränkung voll absetzbar – ein Beispiel hier für ist der Probenraum einer Musikerin.