Wann ist der Handel mit Wertpapieren gewerblich?

In aller Regel ist der An- und Verkauf von Wertpapieren kein Gewerbe, sondern reine Vermögensverwaltung. Dies ist erst anders, wenn sich der Steuerpflichtige wie ein bankentypischer Händler verhält. Hierfür muss das Gesamtbild der Tätigkeit betrachtet werden, insbesondere liegt Bankentypizität vor, wenn man „ohne Einsatz eigenen Vermögens mit beruflich erlangten Kenntnissen Kursdifferenzen ausnützt“.

Wann wird der Gewinn steuerlich realisiert?

Ein Betriebsgewinn aus einem einzelnen Geschäft realisiert sich erst im Moment der Leistungserbringung. Der Einkauf einer Ware ist wirtschaftlich neutral, da nur Geld gegen eine Sache getauscht wird – die Sache hat damit bilanziell den gleichen Wert wie das Geld. Erst, wenn die Sache wieder in Geld getauscht (sprich: mit Gewinn an den Kunden verkauft) wird, passiert in der Bilanz etwas Entscheidendes. Nun wird aus der Ware mit einem bestimmten Wert eine Kaufpreisforderung (oder eine Geldsumme) mit einem höheren Wert.

Ist § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG eine Haltefrist?

Nein, ob man die Anteile an der Gesellschaft mehr oder weniger als fünf Jahre gehalten hat, spielt hier keinerlei Rolle. Entscheidend ist, nur dass man innerhalb irgendeines Zeitpunkts in den fünf Jahren vor Verkauf wenigstens 1 % der Anteile an der Firma besessen hat.

Wenn man also mehr als 1 % an einer Firma hält, dann ist der nächste Verkauf sicher steuerpflichtig. Dabei ist es egal, wann man die Anteile erworben hat, ob man mehr als 1 % verkauft oder danach noch mehr als 1 % hält – denn man hat ja irgendwann während des vorherigen Fünfjahreszeitraums (und zwar bis zum Tag des Verkaufs) mehr als 1 % gehalten und fällt damit in die Regelung des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG. Somit muss man fiktive Gewerbebetriebseinkünfte ausweisen.

Was sind „andere Wirtschaftsgüter“ (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG)?

Diese anderen Wirtschaftsgüter, deren Verkauf einen privaten Veräußerungsgewinn darstellt, sind ausschließlich solche, die nicht anderweitig erfasst sind und auch nicht zur allgemeinen Lebensführung gehören, also letztlich Wertgegenstände wie Edelmetalle, Oldtimer, Antiquitäten und Kunstwerke.

Was ist eine stille Reserve?

Steigt der Wert eines Grundstücks über die Jahre, so handelt es sich damit noch nicht um einen Gewinn im steuerrechtlichen Sinne Vielmehr ist dies lediglich eine sog. „stille Reserve“, die man durch Verkauf realisieren kann. Erst, wenn dies aber wirklich geschehen ist, kann der Gewinn besteuert werden.

Bei der Überschussrechnung gilt dies allerdings nicht, hier muss dieser Vermögenszuwachs grundsätzlich nicht versteuert werden. Relevante Ausnahmen gibt es nur bei Immobilien, die innerhalb von zehn Jahren wieder verkauft werden, sowie bei Wertpapieren.

Was sind die Unterschiede zwischen Betriebsvermögensvergleich und Einnahmenüberschussrechnung?

Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG, „Bilanzierung“):

  • das Betriebsvermögen erscheint in der Bilanz, einschließlich eventueller Bestandsänderungen
  • Verkäufe und Einkäufe auf Ziel werden zum Zeitpunkt der Lieferung erfasst, der Kaufpreis wird zunächst als Forderung bzw. offene Verbindlichkeit ausgewiesen
  • es werden Rechnungsabgrenzungsposten und Rückstellungen gebildet

Einnahmenüberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG):

  • erfasst wird das tatsächliche Fließen von Geld, also Betriebseinzahlungen und -auszahlungen (Ausnahme: AfA und Privatanteile), und zwar zum Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung
  • das Betriebsvermögen tritt als solches nicht in Erscheinung, da es eben weder Gewinn noch Verlust bedeutet und nicht bilanziert wird; Bestandsveränderungen sind damit irrelevant
  • Rechnungsabgrenzungsposten und Rückstellungen werden nicht gebildet

Was passiert mit einer Kaufpreisforderung, die nicht eintreibbar ist?

Grundsätzlich tritt bei einem Verkauf zunächst die Kaufpreisforderung an die Stelle der verkauften Sache, mit Bezahlung tritt wiederum ein Geldbestand an die Stelle der Forderung. Ist der Käufer zahlungsunfähig, bleibt die Forderung zunächst bestehen, bilanziell stellt dies an sich noch keinen Verlust dar.

Ist allerdings klar, dass man diese Forderung nie wird realisieren können, muss man irgendwann ihre Wertlosigkeit feststellen. Der – auch in der Umgangssprache geläufige – Fachbegriff ist „abschreiben“. Dadurch verringert sich das Betriebsvermögen um denselben Betrag, man hat also einen echten Verlust gemacht.

Wie wird nicht abnutzbares Anlagevermögen steuerlich behandelt?

Anlagevermögen, das sich nicht mit der Zeit abnutzt, z.B. ein Grundstück (nicht aber das darauf stehende Gebäude), ist steuerlich erst bei Entnahme bzw. Veräußerung relevant. Erst dann wird beurteilt, ob die Anschaffung nun mit Gewinn oder mit Verlust erfolgt ist. Bei der Anschaffung selbst entstehen keine Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 3 Satz 4 EStG).